Gerade heute vor dem letzten Rundenspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft in Russland höre ich immer wieder, wie wichtig doch der Teamspirit in dieser Mannschaft ist.

 

Was ist dieses immaterielle „Wesen“ Teamgeist? Wie zeigt er sich?

Als Trainer und Coach komme ich in einen neuen Raum und spüre sofort, irgendetwas ist hier anders. Doch so richtig kann ich es manchmal gar nicht fassen, was es ist. Der liebevoll gestaltete Blumenschmuck, das Angebot an selbstgemachten kleinen Leckereien, eine Vielfalt von sorgsam hergerichteten Arbeitsmaterialien, fällt mir ins Auge. Ich fühle mich als Mensch hier willkommen.
Doch ist das schon alles, was es für einen tollen Teamspirit braucht?
Ich bin überzeugt, es braucht jeden einzelnen Menschen. Mein Blick trifft auf offene, lächelnde und entspannten Gesichter. Sie bezeugen einen Umgang, der mehr ist als nur notwendiges Übel, seine Zeit miteinander verbringen zu müssen. Es ist eine von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Grundhaltung, die nicht unbedingt gleichzusetzen ist, dass wir alle „gute Freunde“ sein müssen.
Es muss jedoch noch mehr sein, dass ich mich für andere so richtig reinhänge, sie unter-stütze, vielleicht versuche, ihre Fehler zu kompensieren. Es braucht so etwas wie eine gemeinsame Vision oder einen Purpose, der in der alltäglichen Arbeit spürbar und sichtbar werden kann. Wenn ich am eigenen Leib erlebe, dass wir nur gemeinsam unsere Ziele erreichen können, dann erfahre ich sinnstiftendes Handeln.
Für die Entstehung eines Teamgeists bedarf es eine gewisse Empfänglichkeit, mich auf die vorhandene Situation und meinem Gegenüber einzulassen. Hier fällt auch immer mal wieder der Begriff der „inneren Bande,.” Sie wird in einem Team u.a. spürbar, wenn ich bewusst und aktiv zuhöre und empathisch nachfrage. Ich zeige echtes Interesse am anderen. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich ihm nach Mund rede. Meine Irritationen, Widersprüche und Emotionen finden hier Raum, um sie aus- und anzusprechen.

Wie kann ich als Trainer gezielt solch ein Spirit im Team zur Entfaltung kommen lassen?

Diese Frage bejaht grundsätzlich meine Überzeugung, dass Teamgeist in Teamtrainings entwickelt werden kann.
Es braucht aus meiner Sicht…

1. Begegnungsräume

Nur in der Begegnung kann so etwas wie ein gemeinsamer Purpose entstehen, entwickeln sich Visionen und Ziele, hinter denen jeder Einzelne steht.

2. Erfahrungsräume

Die Erfahrungsräume müssen vielseitig sein. Ich muss mich als Einzelner mit meinen Stärken, Schwächen und Emotionen spüren können. Außerdem muss sich Team in dem miteinander Tun erleben. Dazu sind erlebnispädagogischen Übungen, mit ihren häufig sehr komplexen Aufgabenstellungen oder ganzheitliche Konzeption des Action Learnings sehr hilfreich. Etwas zu erschaffen, mit eigenen Händen kreativ den Spirit zu manifestieren, ist für mich immer wieder ein echtes Highlight in jedem Teamentwicklungsprozess.

3. Reflexionsräume

Gemeinsam zu reflektieren, um die Erkenntnisse aus den Erfahrungsräumen für den Einzelnen und das Team nutzbar zu machen, sind für mich unerlässliche Bestandteile zur Entwicklung eines Teamspirits.